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Femtasy und ein Zimmer für sich

July 19, 2017

 

"A woman must have money and a room of her own if she is to write fiction."
― Virginia Woolf, A Room of One's Own

 

Aha, aha, die Verlegerin startet dieses Mal mit einem Zitat. Und es ist schnell zu bemerken, dass ein allgegenwärtiges Thema der phantastischen Filterbubble hier Eingang finden darf. In den letzten Wochen reichen sich Meldungen zu Wonder Woman, seit wenigen Tagen zum dreizehnten Doctor (nun weiblich) und allerlei anderen themenverwandten Dingen die Hand.

 

Spannend sind in dieser Hinsicht auch die Gedanken, die beispielsweise Autorin Melanie Vogltanz auf Facebook zusammenfasst. Grit Richter, Herausgeberin bei uns und selbst Verlegerin mit ihrem wunderbaren Art Skript Phantastik Verlag, postet regelmäßig Einblicke, wie es um die Geschlechterverteilung bei Ausschreibungen bestellt ist. Und wir selbst hibbeln nervös dem Deutschen Phantastik Preis entgegen, zu dem unsere "Heimchen am Schwert" nominiert sind.

 

Meine persönlichen Gedanken dazu, umfassen drei Themenkomplexe, die hier Betrachtung finden:

 

Schreibende Frauen: Es fiel schon zur Verlagsgründung auf, dass der überwiegende Teil der einsendenden AutorInnen weiblichen Geschlechts ist oder aber auch weibliche/neutrale Pseudonyme wählt. Warum das so ist, hat sich für mich nie wirklich geklärt. Dass tatsächlich mehr Frauen schreiben, ist empirisch nicht belegt. Auf die Verlagslandschaft bezogen, ist eher sogar das Gegenteil der Fall (wenn man den Zahlen trauen kann, die Phänomene wie Self Publishing, E-Book-only, etc. meist ausklammern). Ist es, weil hier eine Chefin sitzt? Wage ich zu bezweifeln, auch die männlichen Verleger aus meiner Filterblase haben es mit Frauen zu tun. Und warum dieses merkwürdig anmutende Zitat von Virginia Woolf am Beginn? Weil ich es nicht für völlig falsch halte. Zumindest unsere Autorinnen scheinen sich ausreichend Raum erschrieben zu haben, die Tätigkeit des Schreibens zumindest als Teilberuf und Berufung ausüben zu können. Aber ist das wirklich so verwunderlich? Wir haben doch schließlich 2017, Sie bösartige Verlegerinfeministin!

 

Gegenwind: Der letzte Satz unter Punkt 1 illustriert ein wenig, wenn auch mit Humor, wie mein E-Mail-Eingang aussah, als die "Heimchen am Schwert" noch in der Auswertungsphase steckten. Diverse Freundlichkeiten zu meinen eigenen Einstellungen, Bewertungen meiner Klamotten von der letzten Messe und inkohärente Beschwerden über das Verbot einer männlichen Teilnahme an der Ausschreibung reichten sich die nervös-schweißnassen Händchen. Das Ganze lässt mich dann doch amüsiert zurück, weil (a) meine eigenen Einstellungen durchaus immer zur Diskussion stehen (aber nicht zur Beschimpfung, danke!); (b) meine Klamotten bis auf den teilweise humoristischen Wert meiner Shirts relativ uninteressant sind und (c) die "Heimchen" die einzige Anthologie sind, in der wir bisher ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis von AutorInnen hatten (davon abgesehen, dass ich durch die Anonymisierung das auch erst im Nachhinein wusste).

Ein strenges Lüftchen gab es auch bei "Mitternachtsrot", dem Debüt von Bianca M. Riescher, weil relativ am Beginn des Buches klar wird, dass Protagonistin Lisaan mindestens einen Liebhaber hat (eventuell - haltet euch fest - war das gar nicht der Erste!). Skandal! Denn die Gute hat auch noch Spaß daran. Wirklich, wirklich unrealistisch, ohne dass es dem Lektorat aufgefallen wäre. Hoffentlich stellt sie dieses fragwürdige Verhalten bald ein. ;)

Also sieht 2017 auch so aus. Macht nix, wir arbeiten dran!

 

Dran arbeiten: Ach, wirklich? Tja, das wird jetzt völlig subjektiv, aber es sind primär altgediente Frauenfiguren aus Fantasy und Science-Fiction, die den Anstoß zum "Heimchen" und der generellen Thematik gaben. Da die Verlagsarbeit nicht nur aus hirnzermalmender Konzentration besteht, sondern ich manchmal mit Dingen wie Sortieren, Abheften und Spam löschen beschäftigt bin, schaue ich nebenher gerne Filme, die ich schon einmal gesehen habe. Dabei geben sich immer wieder Ellen Ripley aus den Alien-Filmen, Dana Scully aus Akte X und Xena die Bespaßungsklinke in die Hand. Tatsächlich sind jene Frauen, die für mich nach wie vor ein Stück weit Identifikationsfiguren sind, allesamt etwas älteren Datums. Vielleicht deshalb, weil ich selbst nicht mehr ganz fabriksneu bin? Aber Spaß beiseite, wer mich persönlich kennt, weiß, dass ich an Filme und Bücher manchmal etwas zu strenge Maßstäbe anlege. Aber ein Grund dafür mag sein, dass diese prägenden Frauen die Latte (pun intended) sehr hoch gelegt haben, was mein eigenes Bild von Weiblichkeit betrifft. Ein weiterer Grund ist vielleicht die Annahme, dass wir innerhalb des phantastischen Genres schon einmal weiter waren, was Rollenbilddarstellungen angeht.

 

Gespannt verfolge ich weiterhin Diskussionen dazu, hoffe, dass mir bei zukünftigen Kinofilmen und in Manuskripten die eine oder andere Jillian Holtzmann oder Furiosa begegnen darf. Und meinen "Heimchen am Schwert"-AutorInnen drücke ich die Daumen, weil es ihre Frauen wirklich, wirklich verdient haben, nach Gegenwind und blöden Witzen den DPP abzuräumen.

 

Und für euch: Was waren denn eure weiblichen Highlights der letzten Film- und Buchmonate? Ich freue mich auf Kommentare! Sonst bleibt nur noch, euch eine stressfreie Reise zum nahenden Wochenende zu wünschen.