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October 21, 2019

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Gastbeitrag: Veronika Lackerbauer und ihr Viech

Heute gibt es einen kleinen Beitrag, der nicht aus meiner Feder stammt. Im Hintergrund laufen ja die letzten Vorbereitungen für unsere neue Anthologie. Weil sie mich schon nach der Zusage ein wenig darüber informiert hat, wie die Geschichte entstanden ist, habe ich Autorin Veronika Lackerbauer einfach mal gefragt, ob sie das für euch aufbereiten will. Viel Spaß beim Lesen!

 

Als AutorIn wird man ja bisweilen gefragt, wie man an die Ideen kommt. Zugegeben, manchmal ist die Geschichte nicht so spektakulär, als dass man sie erzählen könnte. Manche Ideen kommen einem auch bei ganz banalen Alltagsverrichtungen und der interessierte Leser wäre ziemlich enttäuscht, wenn er die wahre Geschichte hinter der Geschichte hören würde. Aber manchmal, da gibt es tatsächlich eine Hintergrundgeschichte zur Geschichte. So wie bei meinem Beitrag zur Anthologie „Kreative Viecher“ (erscheint demnächst im Verlag ohneohren). Und die will unbedingt erzählt werden:

Die Ausschreibung zu den „Viechern“ stand schon länger auf meiner To-do-Liste im vergangenen Jahr, doch leider wollte sich keine zündende Idee dazu einstellen. Also habe ich das Schreiben vor mir her geschoben und geschoben. Unmittelbar vor dem Abgabetermin lag unser Familien-Jahresurlaub, und auch als der immer näher rückte, blieb das Blatt leer und die Idee aus.

Der Urlaub führte meine Familie und mich dann zehn Tage nach Irland. Ich war noch nie auf der grünen Insel und von der Rundreise total begeistert. Wir starteten in Dublin, dann ging es gen Süden, über Cashel, nach Cork. Von einem Ort zum andren brachte uns Bus Eireann, die öffentlichen Buslinien. Bei der Weiterfahrt in Cork mussten wir eine Weile warten, während mein Mann und mein Sohn das nebenan gelegene Shoppingcenter unsicher machten, bewachte ich das Gepäck und holte einmal mehr mein Notizbuch heraus, in das ich ein paar Gedanken zu einem Romanprojekt skizzieren wollte.

 

Meine Aufmerksamkeit zog jedoch bald etwas anderes auf sich. Gegenüber am Kiosk hatte sich eine Schlange gebildet. Zwischen den Kaffeesüchtigen und Bagelhungrigen fiel mir ein Wartender sofort ins Auge, weil er so seltsam deplatziert wirkte. Seine abgerissene Kleidung und vor allem der abgewetzte Geigenkoffer hoben ihn von den anderen Busreisenden ab. Den beiden Busfahrern hinter ihm in der Schlange war er auch aufgefallen, denn sie schienen sich offenbar über ihn lustig zu machen. Der japanischen Reisegruppe hingegen entging die Szene völlig, weil jeder von ihnen so sehr in sein Handy vertieft war. In meinem Autorenhirn war jedoch etwas losgetreten.

Den Rest der Fahrt von Cork nach Killarney sinnierte ich darüber, wer dieser seltsame Mann wohl gewesen sein mochte und was für eine Geschichte er gehabt haben könnte. Ian war geboren. Und da war plötzlich auch das passende „Viech“! Es hing und stand sowieso überall, wo wir hinkamen, als Schlüsselanhänger, auf T-Shirts und Tassen – der Leprechaun!

 

Wir kamen am Freitagabend müde, aber voller Eindrücke und Begegnungen wieder zu Hause an, am Samstag feierten wir gleich noch mit dem Rest der Familie den Geburtstag meines Mannes nach, der während unseres Irlandaufenthalts gewesen war, also blieb nur noch der Sonntag, der Tag des Abgabeschlusses. Eiligst klopfte ich meine Geschichte von Ian und dem Leprechaun in die Tasten. Die Zeit reichte gerade noch für einmal gegenlesen, dann musste ich einreichen.

Aber meine kurze Begegnung am Busbahnhof von Cork konnte sich am Ende gegen viele Einsendungen durchsetzen und findet sich demnächst in der phantastischen Anthologie „Kreative Viecher“ von Herausgeber David Knospe und Verlegerin Ingrid Pointecker. Ich hoffe, ihr habt genauso viel Spaß beim Lesen, wie ich beim Ausdenken und seht Ian und die anderen leibhaftig vor euch!

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