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Adventasy - Türchen 6: Laura und die Viecher

December 6, 2018

Habt ihr euch schon immer mal gefragt, wie eigentlich so eine Kurzgeschichte entsteht? Unsere Autorin Laura Dümpelfeld gibt euch heute eine exklusive Sneak-Peek hinter die Kulissen und berichtet, wie ihre Kurzgeschichte Ende gut, alles gut entstanden ist. Nachzulesen ist die Geschichte in unserer Anthologie Kreative Viecher.

 

Es ist etwas über zwei Jahre her, dass ich am Dortmunder Hauptbahnhof zu David Knospe ins Auto stieg und wir uns auf den Weg zur BuchBerlin 2016 machten. Ein Wochenende im Kreise buchverrückter Lieblingsmenschen lag vor mir und ich dachte eigentlich, dass der Tag nicht mehr viel besser werden könnte. David belehrte mich eines Besseren, als er mich – kaum dass wir richtig losgefahren waren – gerade heraus fragte, ob ich eine Geschichte zu seiner Anthologie Kreative Viecher beisteuern wollte, die im Verlag ohneohren erscheinen sollte.

Ich muss sagen, das fühlt sich schon so ein bisschen nach Fame an, wenn man gebeten wird, Festautorin in einer Anthologie zu sein. Unnötig, zu erwähnen, dass ich ohne lange nachzudenken ja sagte.

 

Ideen sind merkwürdig – sie ploppen manchmal einfach in meinen Kopf und ich kann im Nachhinein nur noch schwer sagen, woher sie eigentlich kamen. Bei den Kreativen Viechern war ich mir recht bald sicher, wie ich mir die Geschichte vorstellte: Der Großteil des Textes sollte ein Traum sein, und ihn zu lesen sollte sich ähnlich anfühlen, wie ein Bild von M. C. Escher zu betrachten. Kompletter Mindfuck eben. (Wer die Bilder von M. C. Escher nicht kennt: Googelt ihn mal! Der Mann war ein Genie.)

 

„Write drunk, edit sober“ – dieser Spruch stammt angeblich von Ernest Hemingway. Ich habe nie etwas von ihm gelesen und auch keine Ahnung, ob er diese vier weisen Worte tatsächlich gesprochen hat. Für meine Viecher-Geschichte habe ich sie mir aber tatsächlich einmal zu Herzen genommen. Ich kaufte mir also eine Flasche Aprikosenlikör (ich mag das Zeug einfach) und machte es mir mit meinem Laptop auf dem Schoß in meinem Bett bequem. Während ich die Flasche leerte, suchte ich auf YouTube nach passender Musik. Ich gab den Suchbegriff absurd music ein und fand ein Video des Ensemble Offspring, das Match von Mauricio Kagel performt. (Wenn ihr also wissen wollt, welche „Musik“ ich während des gesamten Schreibprozesses im Ohr hatte, sucht mal nach dem Video …)

 

Unter zunehmender Alkoholeinwirkung begann ich schließlich, einfach drauflos zu schreiben. Ich hatte das vage Gerüst – wie geht es los, was passiert im Mittelteil, worauf läuft es hinaus – aber wie die Geschichte sich konkret entwickeln würde, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. „Discovery Writing“ nennt man das – nicht für jeden Schreibtyp geeignet und sicherlich auch nicht für jede Art von Geschichte. Für Ende gut, alles gut entpuppte es sich aber tatsächlich als die beste Herangehensweise.

 

Der Anfang der Geschichte, der noch in der Wachphase spielt, gestaltet sich noch relativ normal. Kaum dass ich allerdings die Schwelle zum Reich der Träume überschritten hatte, streifte ich sämtliche Regeln und Gesetzmäßigkeiten der Wirklichkeit ab und schrieb, was mir gerade in den Sinn kam. Ich zähle zu den Menschen, die sehr lebhaft und manchmal skurril träumen (neulich habe ich im Traum vergeblich versucht, mein Auto in eine halb zugeparkte Parklücke zu manövrieren, und es schließlich frustriert einfach hochgehoben und hineingestellt. Ich hatte aber auch schon Träume, in denen es Hände regnet oder Orte sich komplett verändern, während ich mich an ihnen aufhalte, als hätte jemand einfach den Greenscreen ausgewechselt), und diese Absurdität versuchte ich, in die Geschichte einzubauen.

 

Recht bald bemerkte ich, dass sich beim Schreiben ein paar Muster abzeichneten, die sich wunderbar als wiederkehrendes Thema in die Geschichte einbauen ließen. Zum einen waren da die vielen Anspielungen und Referenzen auf Bücher oder Filme, die ich zu Anfang unbewusst, später ganz gezielt einbaute. Zum anderen entwickelte sich eine Art wiederkehrende Choreographie für die einzelnen aufeinander folgenden Szenen und Szenerien. Nach dem mein(e) Protagonist(in) zuerst auf einen Eisverkäufer und dann auf Pippi Langstrumpf getroffen war, überlegte ich, wem sie/er wohl als nächstes begegnen könnte. In solchen Situationen bin ich immer wieder sehr begeistert von den Möglichkeiten des Internets. Bei Wikipedia gibt es nämlich die unglaublich tolle Schaltfläche „Zufälliger Artikel“, die man links in der Navigation an dritter Stelle findet. Ich klickte mich also so lange fröhlich durch irgendwelche vollkommen willkürlichen Wikipedia-Artikel, bis mir ein Wort ins Auge stach: Miesmuschel. In meinem weinseligen (oder eher likörseligen) Zustand sagte mir dieses Wort aus irgendwelchen Gründen zu, und so begegnete mein(e) Protagonist(in) in der nächsten Szene einer missbilligenden Miesmuschel.

 

Ähnlich willkürlich entstand das Setting für die Miesmuschel-Szene. Ich bin grundsätzlich eine Gesellschafts-Schreiberin, das heißt, ich mag es gar nicht, völlig von sozialen Kontakten abgeschottet zu schreiben. Am liebten ist es mir, wenn ich mich zwischendurch mit Leuten unterhalten kann. Dank Social Media ist das heutzutage ein Leichtes, und so war ich zwischendurch immer wieder auf Facebook und Twitter unterwegs. So