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Adventasy - Türchen 8: David und die kleine Tür

December 8, 2018

 Es war einmal … klingt abgedroschen für einen Anfang dieses Türchens? Aber was ist an abgedroschen verkehrt? Jeder mag doch etwas Altbewährtes und Gewohntes. Zusehen im Retro-Kult und in der Freude, die das Schwelgen in Erinnerungen macht. Aber darum soll es heute eigentlich nicht gehen. Mein Türchen befasst sich mit einer Aussage, die jeder schonmal gehört hat, womöglich aus dem eigenen Mund: Ich kann das doch nicht.

Vorsicht Spoiler : Doch könnt ihr. Aber ich will mir selbst ausnahmsweise mal nicht vorweggreifen und fange vorne an.

 

Ich wurde geboren … okay vielleicht doch zu weit vorne.

Ich war ein glückliches normales Kind. Aufgeschürfte Knie, zerzaustes haar und immer Blödsinn im Kopf. In meiner Fantasie baute ich Schlösser und Verliese und modellierte Abenteuer, die wir dann auf den Bäumen und Spielplätzen meiner Heimatstadt zum Leben erweckten. Ich war nie der große Leser und finde es rückblickend schade dass mir meine Lehrer zwar Lesen und Schreiben beigebracht haben aber nie den Spaß daran vermitteln konnten. Vielleicht wollte ich es damals nicht begreifen und es spielt auch keine Rolle. Ich weiß, dass meine Mutter oft von meinen diversen Lehrern die Aussage hörte: Der Junge hat seinen Kopf nur in den Wolken. Damals war das wirklich etwas Schlimmes und auch ich dachte lange, dass dies eher ein Problem war. Schule war langweilig und ich schlängelte mich gerne da durch, um die Nachmittage mit spielen zu verbringen.
Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich meine Deutschlehrerin mal fragte, was es braucht, um ein Buch zu schreiben. Denn selbst ohne das Wissen, dass Lesen Spaß machen kann, dachte ich dass ein Buch zu schreiben doch Spaß machen muss. Den Blödsinn vom Kopf auf Papier bringen quasi. Die Antwort meiner Lehrerin tat mir damals nicht weh, aber heute verfluche ich sie ein bisschen dafür.
„Jemand der so schlecht in Deutsch und vor allem in Rechtschreibung ist wie du, kann nie ein Buch schreiben.“

Nun erstens ist das aus heutiger Sicht Bullshit und zweitens sowas sagt man doch keinem Zehnjährigen, Frau Stein-Schuhmacher!

Aber ich will mich nicht darüber beklagen, eigentlich bin ich jemand der alles im Leben was Gutes abgewinnen kann. Vor allem mit dem Blick durch die Zeit auf sowas. Jemand sagte mal: Egal wie viele Scheiße dir passiert, in ein paar Jahren ist es eine gute Geschichte. Und dazu würde ich auch nichts anderes machen, weil, Achtung wieder Spoiler, mein Leben toll ist, so wie es gerade ist, und jede Änderung damals würde das heutige Sein beeinflussen.

Alter Schwede ich lese gerade diesen Text nochmal und merke das ich mich ganz schön verschwurbelt habe. Für die von euch die bis hierhin gelesen haben. Respekt. Und wir fassen kurz zusammen: David nicht gut in der Schule, kein Lesefreund, Blödsinn im Kopf.

 

Das Lesen mehr als nur Spaß machen kann, hat mir viele Jahre später eine Frau Rowling gezeigt. Sie und die Herren Heitz und Hohlbein haben mich in Welten entführt, das Herz beflügelt und mein Kopf mehr als einmal zum Explodieren gebracht. Sie und viele Andere haben außerdem tief in mir eine kleine Tür aufgestoßen, die ich vergessen hatte. Der Wunsch mein Blödsinn auf Papier zu schreiben. Aber konnte ich das? Sollte ich das? Und wer würde sowas lesen wollen?

 

Aus dem Wunsch entstand wieder einige Jahre nichts. Aber die Tür war da und stand einen Spalt weit offen. Und zumindest Bücher wurden ein Teil meines Lebens.
Wieder ein paar Jahre später hat eine wunderbare Autorin und meine mittlerweile beste Freundin mich passiv wieder an das Schreiben geführt. Und zum ersten mal den wirklichen Willen zu schreiben geweckt. Damals verbrachte man viel Zeit im Internet, und zwar vor Facebook und so, in sogenannten Foren. Die jüngeren von euch werden das jetzt googlen müssen. Die Älteren erinnern sich bestimmt. Die besagte Freundin hatte sich aus dem Forum zurückgezogen mit einem wundervollen Post, quasi ein Abschiedsbrief in Kurzgeschichtenform. Und eigentlich wollte ich antworten, auch eine Geschichte schreiben, auf die gleiche Art ihr etwas hinterlassen. Leider traute ich mich damals nicht. Was auch im nachhinein nicht schlimm ist. Die Freundschaft blieb und ist heute stärker denn je.

Dann kamen die Autoren. Das wäre die Kapitelüberschrift, wenn ich eine finden müsste, aber für ein Kalendertürchen ist das denke ich etwas übertrieben, oder liebe Verlegerin, die das hier gegenliest?

Ich hatte mich verändert. War mittlerweile 30 Jahre alt/jung (kommt auf den Wochentag an), hatte die Leidenschaft für die Fotografie entdeckt und war in ein neues Bundesland gezogen. Hatte Liebe gefunden und wieder verloren aber war glücklich mit meinem neuen Leben. Job spitze, Freizeit klasse und ich wurde gefragt ob ich nicht auf etwas kommen möchte das Bucon heißt. Noch nie gehört aber neue Dinge können ja cool sein. Also bot ich mich als Fotograf an und es ging zum BuCon nach Dreieich. Dort lernte ich nicht nur wundervolle Autoren kennen, nein auch Freunde und Verlage, die ich heute zu meinen Hausverlagen zählen darf.

 

Ich genoss den Austausch zwischen den kreativen Köpfen, lauschte Wortsalven und Ideen, die sich an den Kopf geworfen wurden. Sonntags am Abreisetag wurde am Frühstückstisch dann diskutiert über eine Ausschreibung von Verlag ohneohren: Der Dampfkochtopf. Geschichten gepaart mit Rezepten. Geile Idee, kauft das Buch! Und weil ich so berieselt war, erzählte ich einen Plot, der mir spontan eingefallen war. Larry Lauch und der Weg in Schlaraffenland. Nichts Besonderes aber es reichte, damit einige der anwesenden Autoren mir zuhörten und dann sagten: Ja schreib das doch, das klingt cool. Nicht so dahin gesagt, und nicht im Spaß, sondern mit einer Selbstverständlichkeit, die ich damals nicht verstand. Natürlich ging das nicht so einfach. Ich kann das doch nicht. War auch meine Antwort. Den blauen Fleck auf meiner Schulter, vom Schlag daraufhin, spüre ich heute immer noch. Danke Laura. Auch meine Ausflüchte wegen schlechter Rechtschreibung und sowas wurde ignoriert. Und dann war es passiert. Die kleine Tür in mir auf der „schreib mal“ stand, hinter der sich Bücher, Wünsche und Welten versteckten, war kaputt und zu einem gigantisch großen Tor geworden. Offen und ohne Grenzen. Und dann schrieb ich. Larry Lauch wurde nie fertig aber ich versuchte es und irgendwann wird diese Geschichte auch mal richtig geschrieben, versprochen. Aber ich suchte mir Ausschreibungen und probierte mich an Themen aus. Entdeckte die Qualen, die man erlitt, wenn jemand anders die eigenen Texte liest und bewertet. Erlebte Rückschläge und Kritik, sowohl konstruktiv als auch destruktiv. Weinte beim ersten harten aber fairen Lektorat. Und ich schrieb weiter. Weil es jetzt auch gar nicht anders ging. Es war jetzt da und gehörte dazu. Und eines Tages, in einer Galaxie weit weit entfernt, landete ein Raumschiff Namens U.S.S Gentlemen in einer Anthologie und wurde meine erste Veröffentlichung. Übrigens: Kauft Gentlemen in Space!!!