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Adventasy - Türchen 9: Reclaim your Vorweihnachtszeit!

December 9, 2018

Es ist ein ganz normaler Dezember-Samstag in der Mariahilferstraße (für alle Nicht-Wiener: in der Einkaufsmeile). Eingeschüchterte Hunde frieren vor dem Esprit und schauen mit großen Augen durch die Schaufenster, wo Frauchen oder Herrchen denn bitte bleiben. Menschengruppen balancieren durch andere Menschengruppe hindurch, einen Becher in der Hand. Je nach Inhalt hektischer (Kaffee) oder tänzerischer (Glühwein). Die Tragegurte von Taschen schneiden sich unangenehm ins Fleisch der Handgelenke. Kinder quengeln, dass sie nach Hause wollen, und der Gesichtsausdruck ihrer Eltern lässt vermuten, dass es ihnen auch nicht anders geht. Sichtlich frustrierte Menschen verlagern unruhig das Gewicht von einem auf das andere Bein, während sie in einer Schlange vor einer Bude stehen, um möglichst schnell etwas Süßes/Heißes/sonstwie Essbares zu bekommen, denn ihnen fehlt die Energie für diesen ganzen Zirkus. Während sie auf ihr Smartphone starren, fragen sie sich, warum sie eigentlich nicht alle Geschenke schon längst während der Cyber-Monday-Woche bei Amazon gekauft haben.

 

Wir alle kennen das, niemand kann es leiden, und dennoch finden wir uns selbst Jahr um Jahr in diesem kleinen Vorhof zur Hölle wieder. Und warum? Eigentlich ist es ja ein nobler Grund. Wir wollen schöne Geschenke finden für unsere Lieben. Wir freuen uns auf ihre leuchtenden Gesichter unterm Weihnachtsbaum, wenn wir genau das richtige Geschenk für sie ausgewählt haben. Nur dummerweise ist dieser Moment noch Tage oder Wochen entfernt, und der jetzige Moment hat wenig mit warmen Gefühlen, sondern mehr mit kalten Füßen zu tun. Aber wir denken uns: „Ist jetzt zwar sch****, aber ich mache das ja für meine Lieben, da muss ich mich jetzt aufopfern.“

 

Vielleicht schleichen sich ja auch noch andere Gedanken ins Hirn, während wir an der Kassa stehen und uns einen abschwitzen, weil die Temperatur in der Thalia-Buchhandlung gefühlte 28 Grad beträgt. Vielleicht graust es uns jetzt schon vor Großmutters patentiertem Erstickungs-Christstollen, den wir dieses Jahr wieder hinunterwürgen müssen. Oder vor dem nervtötenden Neffen, der garantiert einmal wieder etwas an seinem Geschenk zu nörgeln hat („Aber das ist doch ‚Let’s Go, Pikachu!‘. Ich wollte ‚Let’s Go, Evoli‘“).

 

Wohin mit dem ganzen Stress? Ist das mit der Tasse Feuerzangenbowle und dem überteuerten Kaiserschmarrn, den wir uns als Ausgleich auf dem Weihnachtsmarkt gönnen, erledigt? Ich meine – nein! Weihnachten ist eine Zerrreißprobe für die Gesellschaft, und ich fordere euch auf, dagegen mal zu rebellieren: Reclaim your Vorweihnachtszeit! Und wie?

 

Ganz einfaches Rezept: Kaffee oder ein anderes Heißgetränk deiner Wahl, nicht to go, sondern zu Hause in der Lieblingstasse liebevoll zubereitet. Dazu gerne eine kleine Leckerei. Ein gutes Buch oder schöne Musik. Und dann, wichtig: Handy ausschalten. Für eine Stunde. Ich versichere euch, die Welt wird nicht untergehen. Glaubt mir, ihr dürft das. Das ist nicht egoistisch! Warum? Weil du auch ein Teil deiner Familie bist, weil Weihnachten auch für dich stattfindet. Ohne dich fehlt was. Du bist der oder die Einzige, der dir diese Stunde schenken kann, also tu es. Und ich versichere dir, am Ende bist du ein bisschen friedlicher. Du gehst nicht mehr ganz so gestresst über die Mariahilferstraße. Und wer weiß, vielleicht lässt sich jemand von deiner Gelassenheit anstecken? Schenk deinen Lieben doch dieses Jahr ein gelassenes Lächeln.

 

Falls du gerne einen Lesetipp für diese Stunde hättest: Ich habe da mal eine Kurzgeschichte geschrieben über eine Autorin, die ihren inneren Kritiker ermordet. :)