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Adventasy - Türchen 13: Melanie und die Schreibwölfe

December 13, 2018

Was haben Mäuse, Heuschrecken und Wölfe gemeinsam? Natürlich sind es alles Lebewesen. Aber eben solche, die sich perfekt für Kreative Viecher eignen. Wer jetzt nur Fragezeichen über dem Kopf hat, der muss einfach ein wenig geduldig bleiben. Schließlich kann ich nicht nur gut über meine Schreibprojekte reden (oft sogar länger als ich sie dann letztendlich verfolge), sondern auch schreiben. Munkeln zumindest meine FreundInnen. Mittlerweile bin ich sogar in der Lage, ihnen zu glauben. Oft ist der Weg zu solchen Erkenntnissen lang. Ebenso lang war mein Weg zu den Wölfen.

 

Als mir David Knospe vor Jahren von seiner Idee für die Kreativen Viecher berichtete, war ich sofort begeistert! Aber auch ängstlich. Denn ich hatte gerade mal eine Kurzgeschichte beendet (die dankenswerterweise von Grit Richter und Ingrid Pointecker so sehr geliebt wurde, dass sie es in die Gentlemen in Space schaffte). Und meine Hausdämonen klopften an: Willst du das wirklich? Du hast dich mit der ersten doch schon mega gequält! Dauert doch ewig, bis du eine Idee hast. Oder gar einen Plot. Und dann muss du noch recherchieren. Geschweige denn, dass du den dann auch aufschreibst! Ja, mein Kopf kann manchmal ganz schön düster sein. Aber irgendwie führte genau das zu meinen ersten Ideen für einen Beitrag.

 

Denn ungefähr zu der Zeit habe ich mir auch vorgenommen, dass ich mich weniger von meinen Ängsten beherrschen lassen sollte. Und wer schon einmal den Spruch gehört hat, dass Schreiben eine Art von Therapie sei … dem kann ich nur zustimmen. Denn anstatt mich unterkriegen zu lassen, fing ich an zu schreiben. Von einer kleinen Maus, die ihren Weg durch einen Berg finden musste. Zwischendrin gab es viele Höhlen, in jeder sollte sie abenteuerlich eine der Fragen bekämpfen. Die Recherche-Grotte, die Plotbrücke, den Ideentümpel. Die Angstmaus war geboren.

 

Aber wie das nun mal so ist, grübelt man als Autor oder Autorin gern eine Weile daran herum. Redet mit anderen Interessierten, wälzt gemeinsam mit ihnen Ideen. Und im Laufe dieses Prozesses schreitet nicht selten nur eines voran: die Zeit. Und wenn man dann merkt, dass die Deadline für die Einsendungen immer näher rückt. Gnadenlos frisst sie die Wochen, Tage, Stunden und Minuten, bis man auf Senden klicken sollte. Vor meinem Inneren erhob sich eine Schar von Heuschrecken, die in ihrer Fresslust auch die letzte Sekunde auffraßen. Zeitfresser-Heuschrecken halt! Diese Viecher kennen viele Autoren und Autorinnen, denn die Ideen mögen zahlreich sein. Zwischen Arbeit, Haushalt, Familie und Freunden fehlt dennoch nicht selten die Zeit.

 

 Eines Tages unternahm ich mit Grit Richter dann mal wieder einen Spaziergang durch die Stadt. Wir unterhielten uns über alle möglichen Projekte, auch über die Viecher. Ich erzählte, dass ich zwar angefangen hatte, an der Maus zu arbeiten, aber unzufrieden war. Die Umsetzung gelang mir nicht so, wie ich sie gerne hätte. Einziges Problem: Bis dahin war sie nur ein Gefühl, welches ich einfangen wollte. Versucht gar nicht erst zu zählen, wie viele Dichter schon versuchten, Gefühle zu beschreiben! Während wir redeten, kamen uns beiden Ideen für verschiedene Sachen und in meinem Kopf sprang mich eine nach der anderen an. Da fiel der schicksalhafte Satz: "Ich fühle mich gerade regelrecht gehetzt, fast, als würde mich ein Rudel aus Wölfen jagen."

 

Der Vergleich mit diesen Tieren liegt mir nicht fern, faszinieren sie mich doch, seit ich in der fünften Klasse einen Vortrag über ein Säugetier halten sollte. Die Aufgabe bekam jede Schülerin und jeder Schüler, den diese Lehrerin zu Beginn des Gymnasiallebens unterrichtete. Ok, Vortrag. Das sollte machbar sein. Säugetiere – toll! Ich könnte über Katzen … vergeben. Oder Hunde? Ebenfalls nicht mehr verfügbar. Pferde fielen auch raus. Damals war ich echt noch ein Klischee-Kind, was die tierischen Interessen anging. Zuhause setzte ich mich dann vor mein Bücherregal und stöberte in meinen Sachbüchern. Eines heißt "Gefährliche Raubtiere" und was ich da alles sah! Bären, Leoparden … und Wölfe. Diese Tiere sahen den Hunden so ähnlich (ich lernte schnell, dass es andersherum war) und der kurze Text hatte eine hypnotische Wirkung auf mich.

 

Seit ich elf Jahre war und diesen Vortrag hielt (für den ich eine 1 bekam!), gelten Wölfe als meine Lieblingstiere. Regelmäßig fand ich neues Material, vor allem, weil kurz zuvor auch endlich wieder Wölfe in Deutschland heimisch wurden. In der achten Klasse hielt ich noch einmal einen Vortrag über den Canis lupus, etwas eloquenter zog ich das Ding mithilfe von Märchen und der Frage, ob es wirklich der böse Wolf ist, auf. Ich lernte neue Sachverhalte kennen und dennoch weiß ich mittlerweile – nach der Veröffentlichung der Kreativen Viecher – dass zumindest die Geschichte vom Alphamännchen und -weibchen ein Mythos ist.

 

Dennoch würde ich meine Ideenwölfe nie ändern wollen. Es geht mir bei der Geschichte auch darum, was Ideen mit jemandem machen können, der nicht für einen Achtstundentag im Büro geschaffen ist. Den die Ideen in Momenten überfallen, in denen es gar nicht so günstig ist. Aber die Gedanken streifen ab, man ist mit einer Hälfte aufmerksam, mit der anderen nicht ganz so sehr. Und schon verbinden sich die verschiedenen Eindrücke, oft ganz unterbewusst und bilden erst unzusammenhängende Fetzen. Nur, um kurz darauf ihre Zähne in einen zu schlagen und sich dort festzubeißen, weil Ideen genau das sind: Verbindungen aus Details, die man so noch nicht kennt. Und die einen begeistern.

 

Dazu gehört auch, aufmerksam zu bleiben. Nicht die ganze Zeit, das wäre zu anstrengend. Aber im Umgang mit dem eigenen Leben und seiner Kraft. Und vor allem mit den Menschen, die einem etwas bedeuten. Ihnen zuhören und sie kennenlernen. Herausfinden, was ihnen gefällt. Und ihnen so eine kleine Aufmerksamkeit zukommen lassen, die in den Geist dieser Jahreszeit passen. Das muss nicht mal ein teures oder ausgefallenes Geschenk sein. Ein paar selbst gebackene Plätzchen, eine liebe Karte mit einem Motiv, dass den Empfänger oder die Empfängerin zum Lächeln bringt – die Möglichkeiten sind vielfältig. Wenn man sich das vor Augen führt, nimmt einem das viel Druck von den Schultern. Und schon hat man wieder mehr Kraft, um die öfters mal stressigen Adventswochen zu überstehen!