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Adventasy - Türchen 21: If the reader’s happy, I’m happy – Warum ich Bücher schreibe

December 21, 2018

Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich mir den Traum (fast) aller Hobbyautoren erfüllt: Ich konnte mich mit meinem Schreiben selbstständig machen. Zwei Jahre knochenharter Arbeit lagen da hinter mir, während denen ich neben meinem Vollzeitjob noch einmal genauso viele Stunden in das Schreiben meiner Serie investierte. Noch heute werde ich oft gefragt, wie ich das damals geschafft habe. Meine Antwort? Zu viel Kaffee, zu wenig Schlaf und kein Sozialleben. Dafür aber eine Schreibkarriere, die von 0 (mit meinem Debütroman «Cesario Aero – Kaiser der Lüfte» bei ohneohren) auf 100 hochging und mich zeitweise völlig überforderte.

 

Ich stand kurz vor dem Zusammenbruch und meine einzige Möglichkeit war, mich selbstständig zu machen – okay, die andere Möglichkeit wäre gewesen, mein Schreiben an den Nagel zu hängen, aber das kam nie infrage. Ehrlich, ich hatte eine Scheißangst vor dem Schritt, denn es bedeutete, meine finanzielle Sicherheit aufzugeben (und das in der teuren Schweiz!) und alles auf das Schreiben zu setzen. Verdammter Künstlerjob!

Aber ich tat es. Und konnte endlich wieder atmen. Die ersten Monate waren herrlich. Ich konnte mir reichlich Zeit für meine Leser und Blogger nehmen, bekam keine Panikattacken mehr wegen der Lektorate und kein Herzrasen, wenn mein Verleger was von mir wollte. Das Staffelfinale meiner Serie erreichte sogar Bestsellerstatus auf Amazon und ich organisierte mit einer befreundeten Autorin das Bookflix Lesefestival auf Facebook, das zu einem ziemlich großen Ding wurde. Was will eine Autorin mehr?

 

Tja. Irgendwann diesen Sommer passierte das, wovor ich mich immer etwas gefürchtet hatte: Ich fiel aus der Spur. An meinem Geburtstag erreichten mich sehr schlechte Nachrichten von meiner Familie, die mich tiefer erschüttert haben, als ich damals zugeben wollte. Whisky half eine Weile, aber irgendwann ließen sich die Hilflosigkeit und die Leere in mir damit auch nicht mehr auffüllen.

Eine Weile hielt ich tapfer durch, brachte meine zweite Serie mit viel Aufwand auf den Markt, betreute meine Blogger und Leser und plante die Frankfurter Buchmesse. Aber schreiben konnte ich plötzlich nicht mehr. Jedes Wort fühlte sich falsch an und ich musste mich regelrecht dazu zwingen. Das schlechte Gewissen, das sich dazugesellte, weil ich sehr viele Leute unweigerlich enttäuschte und vertröstete, und zusätzliche finanzielle Engpässe halfen dabei nicht wirklich.

 

Also was macht Autorin, wenn sie nach einem Jahr Selbstständigkeit merkt, dass sie ihren Weg verloren hat und alles, was man sich über die Jahre hart erarbeitet hat, zu scheitern droht? Richtig: Sie macht eine Pause und besinnt sich zurück auf ihre ursprünglichen Ziele.

In einer Weiterbildung, die ich damals gemacht habe, wurde immer wieder eine Frage gestellt: «Was ist deine Mission?»

 

Ja, was war meine Mission eigentlich? Warum wollte ich immer schon Geschichten schreiben?

 

Ich holte meine alten Notizbücher hervor, die ich während jener Weiterbildung genutzt hatte, und fand folgende Sätze von mir: «Als Autorin will ich Menschen mit meinen Geschichten begeistern und sie ein Stück weit aus dem Alltagstrott holen. Meine Leser tauchen für ein paar Stunden in eine fantastische Welt ab und erleben die ganze Bandbreite an Emotionen, wenn sie mit den Figuren mitfiebern.»

Da war sie, meine Mission. Der Grund, warum ich schreibe, und warum es mich glücklich macht, wenn meine Leser Freude an meinen Büchern haben. Bestsellerränge, Literaturpreise und Fünfsterne-Rezensionen sind mir egal, solange es Menschen gibt, die für ein paar Stunden Glück in meinen Geschichten finden und dem nächsten Band entgegenfiebern. Ich muss nur noch herausfinden, wie ich den Spaß wiederfinden kann nebst all den Erwartungen und dem Druck von allen Seiten.

 

Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich mir den Traum von der Selbstständigkeit erfüllt. Ich habe hartes Lehrgeld bezahlt, bin an meine Grenzen gekommen (andere als zuvor, aber nichtsdestotrotz ebenso schwierig zu bewältigen) und habe irgendwo unterwegs mich selbst und den Spaß an meinem Beruf verloren. Fuck, im Ernst. Ich muss zwar nicht ganz von vorne anfangen, was meine Karriere angeht, aber ich muss einen Teil des Weges zurück bis zur Stelle, an der ich in den Straßengraben gefallen bin. Ich weiß, was mich dort erwartet, aber diesmal habe ich meine Mission ganz vorne mit dabei.

 

Das nächste Schreibjahr kann kommen, I’m ready. Also fast. Bald. Ganz bald.