Please reload

Recent Posts

Die schönsten Seiten des Verlags

October 21, 2019

1/10
Please reload

Featured Posts

Adventasy - Türchen 24: Veronika und die Besinnlichkeit

December 24, 2018

Der eine oder die andere mag es vielleicht nicht bemerkt haben, aber wir sind Weltmeister!

Wieder einmal. Und völlig zurecht.

Weltmeister im Jammern. Und im Schwarzmalen. Champions im Pessimismus sind wir.

Dabei geht es nachgewiesenermaßen der Menschheit heute unterm Strich besser denn je. Die Welt ist auch keinesfalls gefährlicher geworden, im Gegenteil, in so großen Teilen der Welt leben so viele Menschen wie noch nie in relativer Sicherheit. Experten sind sich da einig.

 

Wir sind uns nur in einem einig: dass das Ende nah sein muss.

Es ist das Gefühl der Kurzatmigkeit auf dem Gipfel, wo die Luft dünner wird und egal, in welche Richtung man blickt, es geht überall bergab. Und schon höre ich jemanden zischeln: Ja, kann ja nicht ewig so weitergehen!

Stimmt.

Vielleicht.

 

Vielleicht geht es nicht so weiter. Als Indiz dafür könnte man anführen, dass der Sommer ungewöhnlich heiß und trocken war, zumindest in weiten Teilen Mitteleuropas. Könnte möglicherweise am Klimawandel liegen. Und der, meinen jedenfalls die Experten, könnte in Zukunft zu den größten Migrationsströmen der Menschheitsgeschichte führen. Viel mehr Menschen auf der Flucht als jetzt schon. Das mag für viele ein Schreckensszenario sein, für die einen, weil sie sich unter ihnen, für die anderen, weil sie den Strom auf sich zukommen sehen. Auch die Weltwirtschaft wäre ein Indikator. Oder der Terrorismus. Rassismus. Populismus. Brexit. Usw.

Die Liste lässt sich in jede Richtung beliebig fortsetzen.

Also doch Grund zu jammern?

 

Ja, weil wir nicht in der Lage sind, objektiv zu sein. Das Hochwasser, das im Jahr 1501 Passau verwüstete, war schwerer als das von 2013. Um einiges sogar. Das zeigt die Marke am Passauer Rathausturm, der die schlimmsten Pegelstände der letzten 500 Jahre zueinander in Bezug setzt. Für diejenigen, die vor fünf Jahren ihre ganze Existenz verloren, wird das nur ein schwacher Trost gewesen sein.

Und dann ist da ja noch die gefühlte Sorge. Angst entspringt nicht zwangsläufig einer realen Bedrohung. Die Vorstellung, dass etwas passieren könnte. Theoretisch. Oft reicht schon das ungute Gefühl im Bauch, um sich nicht hundertprozentig wohlzufühlen.

 

Es ist Weihnachten und damit gleichzeitig die Zeit des Jahres, in der wir am ehesten bereit sind, über den Tellerrand hinaus zu blicken. Über sämtliche Kanäle versuchen Hilfsorganisationen uns auf das Elend von Menschen in aller Welt aufmerksam zu machen. Dabei geht es häufig mehr um finanzielle Interessen als um echte Nächstenliebe und dennoch zeigen uns die Bilder und Berichte, dass es schlimmer sein könnte.

In Mitteleuropa im Jahre 2018 zu leben, ist eine der besten Optionen, die diese Erde und die Geschichte anzubieten haben. Es könnte also wirklich sehr viel schlimmer sein. Eine bessere Welt haben wir nicht und werden wir vielleicht auch nie haben. Wäre doch irgendwie doof, sie nicht zu nutzen und zu schätzen, solange wir können!

 

Ich will auch gar nicht kleinreden, dass es auch hierzulande bei uns, bei jedem einzelnen Probleme gibt. Doch eines ist ganz sicher: Noch nie ist eine Situation durch Jammern besser geworden.

Dabei braucht es meines Erachtens gar nicht so viel. Der Hase Klopfer im Disney-Filmklassiker Bambi rät: Wenn man nichts Nettes sagen kann, einfach gar nichts sagen.

Wäre doch ein Anfang!

Oder die Punkrock-Band Die Ärzte formuliert es in einem ihrer Songs so: Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt.

 

In meiner Familie war Krebs immer wieder Thema. Und im Angesicht von so einer Krankheit spätestens merkt man, auf welche Dinge es tatsächlich ankommt. Das lässt viele vermeintliche Probleme plötzlich sehr viel nebensächlicher aussehen. Es relativiert.

In meinem aktuellen Roman Bacchus‘ Vermächtnis (BoD) geht es um diese Fragen: Was bleibt vom Leben, wenn man weiß, dass man nicht mehr lange zu leben hat? Worauf kommt es am Ende an?

Ich denke: Wir sollten das Leben leben, solange wir können. Und jeden Tag, an dem wir und unsere Lieben gesund sind, feiern. Darüber sollten wir aber diejenigen nicht vergessen, denen so viel Glück nicht vergönnt ist. Wir können anfangen im Kleinen, die Welt ein wenig besser zu machen. Denn wenn es uns gelingt, sie zu uns an den Tisch zu holen, gemeinsam zu leben, zu leiden und zu feiern, dann haben wir den Kern von dem erreicht, was Weihnachten im ursprünglichen Sinne bedeutet.

 

In diesem Sinn wünsche ich allen unseren Lesern, den Autorenkollegen und Verlagsmenschen im Hintergrund ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen gesunden Start in das Jahr 2019

Eure Veronika Lackerbauer