Please reload

Recent Posts

Die schönsten Seiten des Verlags

October 21, 2019

1/10
Please reload

Featured Posts

# wikifueralle – Von geschlossenen Toren, Vereinen und einer verwirrten Verlegerin

July 21, 2019

Nachdem sich die Twitter-Diskussionen dazu teilweise lesen wie eine Definition von Bullshit-Bingo, gibt es hier meine Meinung als Verlegerin, Nicht(mehr)mitglied bei diversen Vereinen und Autorin in Personalunion. Kurz einleitend: Wir reden über die deutschsprachige Wikipedia. Vor einer Weile gab es diverse Löschanträge zur Liste deutschsprachiger Science-Fiction-Autorinnen, das sprang dann gestern auf das Nornennetzwerk über, deren Eintrag dann tatsächlich gelöscht wurde und am Abend folgte dann die Löschdiskussion zur PAN-Seite (Phantastik Autoren Netzwerk). Die Wellen schlagen hoch, besonders auf Twitter. Wer einen guten Überblick dort behalten möchte, dem empfehle ich die Accounts von Judith C. Vogt und Nora Bendzko. Theresa Hannig, die auch ganz wunderbare Bücher schreibt, dokumentiert mit, und das mit vollem Einsatz. Schaut mal bei ihrem Blog vorbei.

 

Die Verlegerin, das unbekannte Wesen

 

Vorweg, um den Wind gleich einmal rauszunehmen: Ich war früher mit dem Verlag Fördermitglied bei PAN, bin es aber nicht mehr, aus Gründen, die ich nicht an die große Glocke hängen möchte. Ich verteidige also nichts, das mir besonders persönlich am Herzen liegt. Die Nornen habe ich im Vorbeiscrollen kennengelernt, manche Autorinnen kenne ich, andere nicht, sie posten feine Dinge. Die Wiki-Liste mit Science-Fiction-Autorinnen ist für mich in ihrer Existenz völlig logisch, allerdings auch eine Baustelle, um die sich bemüht werden muss.

Nun zu mir: Wikipedia habe ich mir irgendwann während meiner Unizeit abgewöhnt, weil es für meine Zwecke kaum nutzbar war (und nach einem kurzen Blick immer noch ist). Vor circa vier Jahren habe ich mir mal viel Häme eingeholt, als ich per Verlagsaccount getwittert habe, dass die deutschsprachige Wikipedia bestimmt keine fundierte Recherchequelle für Phantastik-Geschichten darstellt. Gut, da saß ich eine Nummer zu hoch auf meinem Pony, deswegen gibt es den Tweet auch nicht mehr.

 

Mauern, Zäune und Umarmungen

 

Aber, was erleben wir jetzt: Ich wurde auf Nachfrage via Twitter gebeten, doch etwas über Gatekeeping zu sagen. Und nun schlüpfe ich in meine unbequeme Rolle und wage zu behaupten, dass da im Moment zwei „Szenen“ aufeinanderprallen, die beide ganz gut darin sind, ihre persönlichen Zäune, Mauern und Burgen zu bauen. Auf der einen Seite erleben wir die überheblichen Wikis, die Neulinge beäugen, als wollten die eine ganze Enzyklopädie umstülpen. Wohlgemerkt habe ich hier die Hoffnung, dass es sich um ein relativ kleines Grüppchen handelt. Auf der anderen Seite findet sich die nach außen hin superkuschelige Phantastik-Szene, die sich auf Cons familiär inszeniert, während man auch hier sehr gerne nach unten tritt, wenn es dem eigenen Vorankommen dient.

Letzteren Punkt mag ich vielleicht im Moment ganz besonders spüren, da wir gerade in der Szene erleben, wie unterschiedlich das Scheitern von Verlagen bewertet wird, und ich es durchaus witzig finde, dass ich vor zwei Wochen von einem der großen Silberrücken der deutschsprachigen Phantastik auf Facebook gesperrt wurde, weil ich ihm konservatives Geschwurbel vorgeworfen habe. Oder aber, weil ich in bestimmten Kreisen immer noch „die junge Verlegerin, haha“, „die männerfeindliche Verlegerin“ oder die „eine, vielleicht lesbische, aber irgendwie hat sie doch auch öfter nen Mann dabei-Verlegerin“ bin (ja, liebe Kollegen, ich stehe mit dem Kaffee hinter dem Rollup, auch wenn ihr mich nicht seht). Aber das sind eigene Themen.

 

Bleiben wir bei Wikipedia, denn die Phantastik-Szene (TM) muss sich in letzter Konsequenz selbst beackern und gegebenenfalls ändern. Die Frage, ob ich selbst bei Wikipedia etwas recherchiere, würde ich gerne an die mitlesenden VerlegerInnen weiterreichen. Recherchiert ihr dort? Und was? Einfach deswegen, weil ich Wikipedia und Facebook zu einem Teil für finstere Orte des Internets halte, in denen sich schlechter Humor und unkritisches Denken die schweißnassen Händchen reichen. Pauschalisierend? Ja klar, darf ich auch als Verlegerin. Und Wikipedia hat ja nicht nur ein Problem (wir reden noch von der deutschsprachigen). Druckkostenzuschussverlage tummeln sich dort ebenso wie öffentlich nicht besonders präsente Schreibforen, bei denen offen bleibt, inwieweit die eine Relevanzdebatte überleben konnten, würde sie genauso streng geführt wie die aktuelle.

 

Zwei Extrembeispiele dazu, die ich spontan gefunden habe:

  1. Zu Vereinen: Ein anderer, thematisch grob ähnlich gelagerter Interessensverband wie PAN hat eine Wikipedia-Seite. Bei der Löschdiskussion zu PAN wurde unter anderem Sarkasmus laut, warum denn der Verein seit 2015 nur knapp 200 Mitglieder gefunden habe. Der angesprochene andere Verband hat über 900, existiert aber seit dem Jahr 2000 (laut der Seite zumindest). Damit schießt sich der Relevanz-Scherzkeks doch selbst ins Knie, oder?

  2. Verlage: Eine Plattform, die beim Antaios Verlag zwar den Stempel „rechtsextrem“ in einem Nebensatz aufdrückt, andererseits keine eigene Kritik dazu auf der Seite aufführt und nebenher wahrscheinlich selbst dem Verlagshund mit einer Veröffentlichung eine Subseite einräumen würde, die kann ich nicht ernst nehmen.