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#KGFestival Ach, wie gut, dass niemand weiß … (Kurzgeschichten & Pseudonyme)

September 2, 2019

Als mich Meara Finnegan gefragt hat, ob ich etwas zu ihrer formidablen Blogpostreihe #KGFestival beitragen möchte, war sofort klar, dass ich mir den 2. September sichern muss – meinen Namenstag. So ergibt der Post hoffentlich auch Sinn, denn ich werde euch etwas zum Für und Wider von Pseudonymen präsentieren. In manchen Fällen mögen meine Punkte auch für Romane gelten, primär betrifft dieser kleine Beitrag allerdings die von mir heiß geliebten Kurzgeschichten.

 

So! Geschafft! Kurzgeschichte geschrieben, Auswertung der Ausschreibung abgewartet, Beitrag wurde angenommen … Und nun liegt da ein Vertrag in der Post, ausgestattet mit der mysteriösen Lücke, die nun mit einem Pseudonym befüllt werden soll (oder auch nicht). Eingangs sei noch angemerkt, dass es hier sowohl um offene Pseudonyme gehen kann, bei denen bekannt ist, das sie welche sind, als auch um geschlossene Pseudonyme, die LeserInnen völlig über die wahre Identität von AutorInnen im Unklaren lassen.

 

Beginnen wir mit drei guten Argumenten für Pseudonyme:

  1. Was sollen denn die Verwandten sagen? Vielleicht nicht unbedingt das beste Argument, aber ein weit verbreitetes Szenario. Ihr schreibt also Horror-Porno-Splatter, wollt aber nicht DAS Gesprächsthema beim nächsten Familientreffen sein. Dieser Punkt lässt sich auch auf das berufliche Umfeld ausweiten. Um Ärger zu vermeiden, ist ein Pseudonym eine klare Entscheidung, allerdings kein Garant dafür, dass es nicht trotzdem irgendwann „auffliegt“.

  2. Andere Publikationen, andere Sitten. Bleiben wir beim Horror-Porno-Splatter und einer/m AutorIn, der/die auch wissenschaftlich publiziert. Es wäre wohl nicht so angenehm, wenn die Studierenden, die gerade im Tutorium sitzen nicht nur das Werk zur Grammatiktheorie finden, sondern denen sich bei der Suche auch diverse Tentakel entgegenrecken. Auch hier könnte ein Pseudonym durchaus hilfreich sein.

  3. Schublädchen. Es gibt AutorInnen, die mit Pseudonymen thematische Trennungen vollziehen. Zum Beispiel, wenn sie in einem Subgenre/Genre bereits mit einem Namen/Pseudonym etabliert sind, mit der nächsten Kurzgeschichte allerdings neues Terrain betreten möchten. Ein Pseudonym hilft hier dabei, den geschriebenen Stoff auch für LeserInnen etwas zu sortieren.

 

Und die drei Gegenargumente:

  1. Wer bist du denn? Pseudonyme können kleine Identitäten sein, die AutorInnen aufbauen und pflegen. Mehr Pseudonyme bedeuten unter Umständen eine Aufspaltung von Werbekanälen oder die Notwendigkeit einer neuen Website (besonders bei geschlossenen Pseudonymen), also am Ende des Tages mehr Arbeit.

  2. Verwirrungen. Es kann auf Messen und Events passieren, dass man sich bei Verwendung des Pseudonyms nicht angesprochen fühlt, obwohl LeserInnen eventuell nur diesen Namen benutzen. Das erstreckt sich im Stress einer Messe auch durchaus auf das mögliche Signieren mit falschem Namen.

  3. Rechtliches und Bürokratisches. Impressumspflichtige AutorInnen haben ihre liebe Mühe mit dem Verheimlichen des bürgerlichen Namens auf Homepages (je nach Rechtslage des Landes, aus dem sie kommen). Es kann auch hier einen Extraaufwand bedeuten, sich für ein Pseudonym zu entscheiden.

 

Insgesamt ist der Vorteil und gleichzeitig der Nachteil an Kurzgeschichten, dass sie oft nicht so langlebig sind, wie es sich AutorInnen und Verlage wünschen würden. Wo da der Vorteil liegt? Kurzgeschichten sind das ideale Plätzchen, um es vielleicht mit einem Pseudonym zu versuchen, wenn man als AutorIn für den nächsten oder überhaupt ersten Roman noch unsicher in der Namenswahl ist.

 

Zum Abschluss gibt es noch einen kleinen Schwank aus dem Leben der ohneohrigen Verlegerin: Einige von euch wissen ja, dass ich selbst Autorin bin (mich aber bis auf Miniausnahmen nicht selbst verlege). Auch ich habe mich vor Jahren für ein Pseudonym entschieden. Ein ganz pragmatischer Grund dafür war, dass die wenigsten Menschen meinen Nachnamen richtig schreiben können (wofür ich wirklich niemandem einen Vorwurf mache). Zusätzlich trudelten bei den Büchern, die unter meinem bürgerlichen Namen erschienen, auch schlechte Rezensionen ein, die leider auf den Versand von Absagen in meiner Funktion als Verlegerin zurückzuführen waren. Für mich hat das funktioniert, mein Pseudonym ist ein offenes, das gut und schnell zu ergooglen ist. Und eventuell ist es nicht das einzige …

 

 

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