Warum Termine so sind
- Ingrid Pointecker

- vor 2 Stunden
- 3 Min. Lesezeit

Kaum eine Frage (neben "warum ohneohren?") wird mir so häufig gestellt wie jene nach Terminen. Es ist völlig klar, warum dem so ist. Betrachtet man einen Kleinverlag von außen, "passieren" ab und zu Bücher (meistens im Herbst und/oder Frühling), dazwischen fliegen Vorbestelltermine und andere Deadlines herum. Weder Lesende noch Autor*innen haben da den vollen Einblick. Deswegen gibt es heute eine Kostprobe aus dem Status Quo.
Anthologiegewusel
Anthologien sind terminlich am schwierigsten. Nicht nur hängen die Bedürfnisse/Planungen von 15+ Menschen daran, sondern sie sind auch schwieriger zu verkaufen. Auch im Vorfeld ereilen den Verlag schon zahlreiche Datumsdinge. Das beginnt bei der Ausschreibung, zu deren Zeitpunkt ich noch nicht weiß, wie viele Geschichten gelesen werden wollen. Gibt es bei der Auswertung viele Vielleicht-Kandidat*innen, zieht sich das noch einmal. Dann will der richtige Zeitpunkt für die Veröffentlichung gefunden werden. Um den zu halten, müssen alle Beteiligten halbwegs pünktlich arbeiten (was aufgrund menschlicher Faktoren nicht immer möglich ist).
Anthologiegewusel aktuell
Im Moment arbeiten wir bei der Schweinwerfer-Anthologie (herausgegeben von June Is) an den Druckfahnen, die einzeln als Mail kommentiert bis zu einer bestimmten Deadline zurückkommen. Neben der Werbung, die im Hintergrund geplant wird (und der passenden Bürokratie), sind also laufend Korrekturen zu machen oder bereits gut passende Geschichten abzuhaken. Grafisch entsteht der Umschlag des Buches.
Parallel dazu entsteht die Plantpunk-Anthologie, die ich gemeinsam mit Kollegin Birgit Schwäbe herausgebe. Hier sind wir zwischen erstem und zweitem Korrekturdurchgang, auch hier trudeln Mails laufend ein und wir machen noch einen Feinschliff. Auch hier läuft im Hintergrund die Werbungsmaschine und das Jonglieren von Daten.
Parallel dazu startet in wenigen Tagen meine Abschieds-Ausschreibung. Diese will vorgeplant werden und braucht eine Sektion auf der Website.
Romanplan
Nebenher gehe ich gemeinsam mit Oliver Plaschka die letzten Veröffentlichungsschritte für "Fairwater". Wir sind fast fertig, aber ein paar Mails werden es schon noch sein, bis alles klar ist. Oliver ist zum Glück schon eine Weile in der Phantastikszene unterwegs und macht vieles selbst.
Romanplan 2
In meinem Ordner warten aber die nächsten Romane, teilweise auf ein Cover, einen zweiten Lektoratsdurchgang oder den Buchsatz. Autor*innen kommen, gehen und bleiben (oder kommen wieder).
War es das nun?
Nein, denn das tägliche Verlagsgeschäft schläft nicht. Die Valkyrie-Reihe von Tina Skupin wurde kürzlich abgeschlossen und verursacht bei manchen Online-Plattformen Schluckauf. Bestellungen trudeln ein und möchten verschickt werden. Die Herbstromane klopfen an die Verlegerinnentür. Steuern, Abrechnungen und Gedöns schauen mich vorwurfsvoll an. Eine Verlagsübergabe mache ich auch zum ersten Mal und trivial ist das nicht.
Dass ich auch noch einen Kuchenjob habe, der mich fordert, wissen die meisten Leute mittlerweile.

Nicht wundern - nur staunen
So also kommen von außen betrachtet relativ seltsame Terminstrukturen zusammen. Schon öfter dachten Leute, wenn der nächste öffentliche Termin für Ende Februar ansteht, rolle ich mich bis dahin zusammen wie eine Katze und schnarche fröhlich vor mich hin. Das Schöne am Kleinverlag ist aber, dass die Termine bei relativ wenigen Personen zusammenlaufen und damit nicht in Stein gemeißelt sind. Wenn die Katze also das Manuskript gefressen hat, finden wir eine Lösung.
Vor einer Weile fragte ich Tina Skupin mal im Scherz, was der Vor- und Nachteil eines Kleinverlags ist.
Vorteil: Du erfährst, wenn was passiert.
Nachteil: Du erfährst, wenn was passiert.
Und so arbeiten wir uns viel zu schnell in das Jahr 2026 vor. Der Schreibtisch ist voll, aber ich bin motiviert. Ich freue mich drauf, euch mit Büchern zu versorgen und bin gespannt auf die Reaktionen zu unseren Neuerscheinungen.
Bestauen könnt ihr uns zum Beispiel bald in Wien:
Habt eine gute Woche!











Kommentare