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Rezensionen: Dos und Don’ts

20. Sept.
3 Min. Lesezeit

Hände halten Zettel und Stift

Lasst uns heute mal über Rezensionen reden. 

 

Für einen Verlag sind Rezensionen etwas Wunderbares, besonders für Kleinverlage, die nicht das Geld für bezahlte Buchtrailer im Fernsehen oder Netz oder für bezahlte Kooperationen haben. Sowohl die Bewertung von Rezensionsexemplaren als auch die Posts von Lesenden, die das Buch selbst gekauft haben, bringen Aufmerksamkeit und helfen gleichzeitig anderen Lesenden bei der Orientierung, ob unsere Werke ihren Geschmack treffen könnten. Und wir freuen uns, wenn wir Rezensionen finden und sie teilen können. 

 

Eine weiße, unbekleidete und bis zur Hüfte von seitlich-hinten gezeigte Person mit Matrosenhut schaut durch ein Fernglas.

Privileg und Suche? 


Eingangs soll nicht unerwähnt bleiben, dass es dort draußen wundervolle Menschen gibt, die regelmäßig Bücher von uns rezensieren. Wie das vonstatten geht, ist sehr unterschiedlich. Manche bestehen auf einen Kauf der Bücher, andere werden quasi automatisch von uns versorgt. Hier mal ein großes Lob von uns: Unabhängig davon, wie die Bücher zu den Rezensierenden gelangen, haben wir immer den Eindruck, dass die Werke kritisch besprochen werden. Und ein kleiner Zusatz: Es ist sehr unterschiedlich, wie Rezensierende verfahren. Manchmal werden wir markiert, andere Male nicht. Manchmal zitieren wir selbst aus Rezensionen, ein andermal nicht (bei sehr negativen Rezensionen, die ins Persönliche gehen, tun wir das nicht mehr, da das in der Vergangenheit schon einmal sehr unnötige Diskussionen ausgelöst hat, für die wir im Tagesgeschäft keine Kapazitäten haben). 

 


Vor dem Hintergrund einer Großküche sieht man eine getoastete Scheibe Brot mit einem roten Smiley darauf.

„Nur positive Rezensionen helfen?“ 

 

Dabei unterscheiden wir nicht so einfach in positive und negative Rezensionen. Oft sieht man das Argument, dass man negative Meinungen für sich behalten sollte, da diese Verlagen und Autor*innen schaden würden. Und zugegebenermaßen, bei Amazon ist das teilweise auch so. Rezensionen können da mitentscheiden, was an welcher Stelle angezeigt wird. 

Aber wir sind selbst auch Lesende, wir wissen, dass etwas, was der einen Person nicht gefällt, für die nächste ein Kaufargument sein kann. Und gleichzeitig mögen wir es auch, wenn wir selbst rechtzeitig erfahren, dass ein Buch vielleicht nichts für uns ist. Deshalb gilt zumindest für unsere Werke: Zögert nicht, auch kritische Meinungen zu posten. Und uns, den Verlag (NICHT die Autor*innen) könnt ihr dabei auch gerne taggen. Wieso nicht die Autor*innen?, fragt ihr euch jetzt vielleicht.  

Das möchten wir euch noch kurz erklären. Rezensionen sind in erster Linie für Lesende, nicht für die Autor*innen. Das Buch ist zum Zeitpunkt der Rezension bereits erschienen und wird nicht mehr verändert (außer natürlich, es fällt etwas Grobes auf, das aber meist nicht über Rezensionen), insofern sollte der*die Autor*in selbst entscheiden können, Kritiken zu lesen - mit dem Taggen gerät die Person jedoch in Zugzwang.   

Beschwerden über zu viel Diversity (außer, sie ist in euren Augen schlecht gemacht oder offensive) dürft ihr natürlich auch gerne posten, aber wir werden solche Rezensionen nicht teilen, da unser Verlag zumindest versucht, halbwegs ein Safe Space für marginalisierte Schreibende zu sein. 

Eine zweite Ausnahme sind Rezensionen, die ins Persönliche driften (sei es nun Autor*in oder Verlag). Wir wollen da auf einer beruflich-geschäftlichen Ebene und auf der Sachebene des Buches bleiben. Das ist ein schwieriges Thema und natürlich muss hier einbezogen werden, was Verlag und Autor*innen an persönlichem Leben online teilen. Wir sprechen hier aber explizit von Dingen, die auf Basis der Werke gemutmaßt werden, ohne dafür eine andere Begründung zu haben (so bereits geschehen mit Alter, Lebenswandel etc.). 

 

Die Sitzfläche einer Parkbank. Auf dem sonst braunen Holz steht, weiß auf blauer Farbe, "Take a little time to think."

Rezensionen und KI  

 

Und noch etwas teilen wir nicht, auch wenn es manchmal schade ist: Wenn eure Rezension ein mit genKI erstelltes Bild enthält, kann sie noch so schön zu lesen sein, noch so wundervolle Argumente für den Kauf unserer Werke anführen, wir werden sie nicht teilen. (Sofern wir es sehen, wir sind leider auch nur menschlich und nicht unfehlbar.) Wir unterstützen genKI nicht. 

Darüber hinaus möchten wir darauf hinweisen, dass es ein Bruch unseres Urheberrechts ist, falls unsere Grafiken oder Texte in genKI eingespeist werden. Bisher ist uns diesbezüglich für unsere Bücher kein Fall bekannt, aber in unserem Umkreis hat es da sogar bereits Rezensionen gegeben, die komplett durch KI erstellt wurden (und neben Fehlinformationen auch White- und Straightwashing verbreiteten). 



Die Zeichnung eines Drachen oder ähnlichen Reptils, verteilt auf zwei überlappenden Blättern Papier.

Eine Rezension ist kein Roman 


Ein weit verbreitetes Missverständnis, mit dem wir noch abschließend aufräumen wollen, ist die Ausführlichkeit von Rezensionen. Nein, ihr seid keine schlechteren Rezensent*innen, wenn es zur umfangreichen Anthologie nur drei zusammenfassende Sätze gibt. Und ja, auch eine Sternebewertung hilft, weil das Internet nun einmal Internet-Dinge tut und auf Basis der Sternchen wieder an der Sichtbarkeit schraubt. 

Rezensionen können viele Gesichter haben, liebevoll grafisch aufgearbeitet sein, eine Kurzmeinung darstellen, aber vor allem helfen sie Büchern, deren Sichtbarkeit überschaubar ist. Also: Raus mit der Meinung, und wenn sie als Smiley auf einem Post-It daherkommt. 

 

 

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