Rückschau: Die Fantasy-Con in Wien aus ohneohriger Perspektive
- Ingrid Pointecker

- 2. Mai
- 4 Min. Lesezeit
Messen sind an sich nicht sonderlich spektakulär, weswegen ich eher selten ausführlich davon berichte. Eine Ausnahme bildet hier die Fantasy-Con, die vergangenes Wochenende hier in Wien in der Postsporthalle stattfand. Aber sehen wir uns das der Reihe nach an.

Tag 0 - das Davor
Bei uns im Verlag begann die Arbeit eigentlich schon in den Tagen davor, denn die letzten Frühjahrs-Neuerscheinungen durften noch pünktlich zur Messe eintrudeln ("Fairwater" von Oliver Plaschka und die "Zu den Wurzeln"-Anthologie von Mitherausgeberin Birgit Schwäbe und mir). Bereits genannten Oliver habe ich freitags vor der Messe vom Flughafen abgeholt. Nach einem kurzen Plausch half er mir beim Abladen des Standes an der Messe-Location (Oliver schreibt nicht nur gut, sondern packt auch gut an, wenn es schwere Dinge zu tragen gibt). Ein mehrzweckhallenartiger Hauch von BuCon, bestehend aus dem Geruch von Turnmatten und Undefinierbarem, begrüßte uns. Sonst passierte nicht mehr viel, denn wir hatten ein straffes Programm vor uns (in meinem Kalender zwei Workshops, ein Panel und eine Preisverleihung).

Tag 1 - der Leonardo DiCaprio der Phantastik
Das Wichtigste zuerst: Die Con wird von der Fantasy-Schmiede organisiert und das mit so viel Einsatz und Liebe, dass ich im Vorfeld keinerlei Kummer hatte. Wir wurden beworben, die Kommunikation war prima, alles sehr lieb und höflich.
Es ist auch äußerst selten, dass ich an Tag 1 sauber, motiviert und ungestresst am Stand stehe. Normalerweise habe ich bereits 7 Stunden Autofahrt auf dem Tacho, es geht vieles schief und ich möchte eigentlich wieder heim. Das war hier das absolute Gegenteil.
Mittags habe ich meinen ersten Workshop gehalten (zum Thema, wie man andere Menschen für Phantastik begeistert). Spärlich besucht, generell wenig Publikum, aber entspannt.
"Wenig Publikum" mag drastisch klingen, für uns funktioniert das aber. Es bleibt Platz am Stand, das Licht war gut, die Leute stehen länger bei uns, lesen rein und kaufen sehr gut ein. Für die Con an sich wünsche ich mir mehr Ansturm, zumal von der Versorgung bis zu den sanitären Einrichtungen alles prima funktioniert.
Leider habe ich, weil ich am Stand Kund*innen beraten habe, die spannendsten Panels verpasst (zum Beispiel jenes zum Einsatz von KI). Dafür habe ich zwischendurch Menschen (wieder)getroffen, die ich lange nicht gesehen habe.
Abends wurde es noch einmal spannend. Ich durfte Katherina Ushachov zur Preisverleihung des Österreichischen Phantastik Preises begleiten. Gewonnen haben wir mit "PRISM" zwar nicht, es hat am Wochenende aber viele neue Lesende gefunden und wir sammeln einfach weiter Preisnominierungen (zu dem Thema solltet ihr auch die Frühlingsansichten von Alessandra Reß lesen).

Tag 2 - sonnig mit Aussicht auf Tennisbällchen
Der zweite Tag war für uns ebenfalls erstaunlich entspannt. Während ich meinem Partner Michael den Stand überlassen habe, saß ich mit Oliver Plaschka auf der großen Bühne und plauderte zum Thema Kleinverlag. Die Resonanz war groß und wir hätten ewig quatschen können. Die Fragen aus dem Publikum waren toll, von Nora Bendzko, die vom Stand des Schrei(b)salon ergänzte, wie es denn mit Themen wie Fairness und Ausbeutung von Autor*innen aussieht, bis zu Harry (früher als Planet Harry in Wien eine Größe im bestsortierten Rollenspielhandel), der die Wichtigkeit der unabhängigen Buchhandlungen noch einmal betonte.
Generell waren viele junge Autor*innen am Anfang ihrer Träume und Pläne bei mir am Stand. Es macht mich schon stolz, ein paar Fragen beantworten zu können und die Motivation zu sehen, mit denen viele sich in die Phantastik stürzen. Oliver und ich erzählten über unsere Werdegänge, mahnten zur Vorsicht bei der Verlagswahl und erzählten ein bisschen aus dem Prozedere des Büchermachens.
Nachmittags gab es noch einen kleinen Workshop zu einer ähnlichen Themenlage und dann ging es auch schon nach Hause (was in dem Fall nur eine Viertelstunde Autofahrt bedeutet). Bei gutem Wetter war es zum Abschluss noch ganz entspannend, den Lichtschwert-Workshop neben den benachbarten Tennisplätzen zu beobachten.

Das Fazit - gerne mehr davon
Wir haben uns super betreut gefühlt, sehr gut Bücher verkauft und tolle Gespräche geführt. Stolz macht mich, dass uns doch einige Leute bereits kennen (online und aus dem kleinteiligen Buchhandel), gleich mehrere Bücher kaufen und unsere Social Media-Auftritte loben.
Klar, ich wurde auch oft darauf angesprochen, dass ich den Verlag übergebe, aber nicht vorwürflich. Da war viel Verständnis für das Stresslevel, viel Lob für meine Autor*innen und noch mehr für meine Kollegin Birgit, die mit der Social Media-Ebene mittlerweile unser sympathisches Aushängeschild ist.
Danke an die Orga der Fantasy-Con, als Besucherin seht ihr mich wieder. Herzlichen Dank auch an meine Autor*innen (wir hatten ja auch Jacqueline Mayerhofer und Melanie Vogltanz in der Nähe und Stefan Cernohuby als direkten Nachbarn) für Support und Mithilfe. Birgit und Michael bilden das Fundament für so ein Messewochenende von "das ist Science-Fiction, aber die Verlegerin kommt gleich wieder" bis zu "keine Sorge, Ingrid, alle Beiträge sind eingeplant, hab eine gute Messe".
Der größte Dank gilt den Lesenden. Habt viel Spaß mit euren neuen Büchern und lest fleißig weiter.



Moin, da ich leider auf der Website keine Mail- Adresse zum Verlag finden kann, versuche is es mal so. Ich suche das Ebook "Gentlemen in Space" von Grit Richter anscheinend von 2016. Kann es aber nirgends finden auch nicht im ohneohren-Shop oder über die Suche. Vielleicht gibt es ja noch eine Möglichkeit ...? Beste Grüße Robert